Archiv 2012

6. Internationaler Grünlandtag in Steinborn/Kyllburgweiler 

Zusammenarbeit im Grünland- und Futterbaubereich zwischen Belgien, Luxemburg und Deutschland

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Der mittlerweile 6. internationals Grünlandtag fand am 3. Juni 2012 auf dem zentralen Versuchfeld für Grünland auf der Gemarkung Kyllburgweiler statt. Die Dienststellenleiterin des DLR Eifel, Frau Dr. Anja Stumpe konnte zahlreiche Ehrengäste mit Frau Staatsministerin Ulrike Höfken (Ministerium für Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft, Weinbau und Forsten) an der Spitze begrüßen.

Trotz des kühl-nassen Wetters mit Dauerregen und Nebel (optimales „Grünlandwetter“) herrschte unter den Besuchern eine sehr gute Stimmung. Frau Dr. Stumpe hob bei der Eröffnung und Begrüßung die große Bedeutung des Grünlandes für die rheinland-pfälzischen Mittelgebirgsregionen hervor. In diesen Lagen nimmt das Grünland ca. 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein. Ministerin Höfken ging besonders auf die aktuelle Situation im Milchsektor ein. Die Marktsituation ist durch die Erhöhung der Produktion in den großen Produktionsländern, auch außerhalb der EU, geprägt.

Sie bevorzugt eine starke Agrarpolitik, die die Erhaltung des Grünlandes und der Milchproduktion in den Mittelgebirgsregionen garantiert.

Herr Karl-Heinz Cornely in Vertretung des wallonischen Landwirtschaftsministers Di Antonio hob insbesondere die neben der reinen Produktionsfunktion bestehenden Aufgaben des Dauergrünlandes hervor. Dabei betonte er die besondere Bedeutung für die Kulturlandschaft und nannte weiter beispielhaft den Erosionsschutz und Erhaltung der Biodiversität als weitere Argumente für die Erhaltung des Grünlandes. Der belgische Vertreter lud schon jetzt zur 7. Auflage der internationalen Grünlandtage ein, die im Jahre 2013 in Battice (Belgien) ausgerichtet werden.

Leon Wietor vertrat als ASTA-Direktor (Administration des Services Techniques de l’Agriculture) den luxemburgischen Landwirtschaftsminister  Romain Schneider.

Er befasste sich in erster Linie mit den Bedingungen der Milchproduktion. Mittel- bis langfristig habe die Erzeugung von Milch in den Grünlandregionen Standortvorteile. Entscheidende Einflussgröße  seien die Kosten, die niedrig gehalten werden müssten. Auch Michael Horper als Vertreter der Praxis (Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland Nassau, Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm) hob die Wichtigkeit des Grünlandes für die Mittelgebirgsregionen hin, indem er es als Rückgrat der landwirtschaftlichen Erzeugung in diesen Regionen bezeichnete. Unabdingbar seien aber ausreichende Erzeugerpreise für Milch und Fleisch.

Der Versuchsstandort Kyllburgweiler

 Die Veranstaltung fand auf dem zentralen Versuchsfeld für Rheinland-Pfalz in der Gemarkung Kyllburgweiler statt. Dort sind die Grünlandversuche konzentriert angelegt. Da Grünlandpflanzen Dauerkulturen sind, können sie nicht wie im Ackerbau üblich mit der Fruchtfolge eines Betriebes wandern. Lediglich Pflanzenschutzversuche (z.B. Ampfer, Jakobskreuzkraut) und Praxisversuche (z.B. Striegeleinsatz) werden außerhalb des Versuchsfeldes auf Praxisbetrieben gefahren. Das Versuchsfeld dient neben 9 weiteren Standorten bundesweit als Prüfstandort des Bundessortenamtes. Somit liegt ein SONY DSCSchwerpunkt auf Sortenversuchen in Form von Wertprüfungen als Zulassungsversuche, teilweise kombiniert mit Landessortenversuchen. Dabei werden alle gängigen Gräser  und Leguminosen sowie Zwischenfrüchte geprüft. Mit einer Höhenlage von durchschnittlich 520 m liefert der Standort Ergebnisse für eine Höhenlage in einer typischen Mittelgebirsregion. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt knapp 900 mm, womit bei optimaler Verteilung  ansprechende Grünlanderträge möglich sind. Bei der Bodenart handelt es sich um einen Verwitterungsboden aus Buntsandstein und somit um einen rel. leichten Boden. In dieser  Kombination.aus Niederschlagsmenge und eher leichter Bodenart kommt es bei ungünstiger Verteilung im Sommer teilweise zu Trockenstress.

Die Schwerpunkte in den produktionstechnischen Versuchen liegen zur Zeit bei einem Etablierungsversuch für Deutsches Weidelgras und Wiesenrispe in Mischung bei unterschiedlicher Aussaatstärke (Kö/m2). Weiter läuft ein auf 5 Jahre konzipierter Versuch, in dem die Langzeitwirkung von Gülle auf die Ertragshöhe und die Qualität des Aufwuchses überprüft wird. Dabei sind die Varianten in der zugeführten Stichstoff- menge variiert, so dass der Versuch auch als N-Steigerungsversuch ausgewertet werden kann. In einem Versuch mit Feldfutter werden alle gängigen und empfohlenen Gräser, Leguminosen und Mischungen der Mittelgebirgsgruppe (rotes Etikett)  überprüft. Ziel dabei ist es, die Vielfalt der langjährig empfohlenen Mischungen eventuell etwas reduzieren zu können.

 Themenbereiche auf dem internationalen Grünlandtag

Die Besucher des internationalen Grünlandtages konnten sich in einer Maschinenausstellung, die von den Firmen der Region auf die Beine gestellt worden war, informieren. Themenschwerpunkte waren dabei die Technik der Gülleausbringung sowie der Bereich der Grünlandpflege.

SONY DSCEin weiteres Herzstück der Veranstaltung waren insgesamt 6 Themenzelte, in denen die Informationen jeweils zweisprachig (Französisch, Deutsch) vermittelt wurden. Im Zelt Ernährung wurde entsprechend dem Kernmotto der Veranstaltung („vom Gras ins Glas“) einfach und anschaulich der Zusammenhang zwischen Grünland und Futterbau und dem fertigen Lebensmittel dargestellt. Die Grünlandversuchsfelder liefern die

Basisdaten für leistungsfähige Grünland- und Feldfutterbestände als Grundlage für eine wirtschaftlich erfolgreiche Milchproduktion. So kann von einer Grünlandfläche von einem ha im Optimalfall Grundfutter für ca. 12000 kg Milch geerntet werden. Über eine optimale Rationsgestaltung mit ca. 40 kg Grassilage und richtiger Ergänzung mit Kraft- und Mineralfutter kann eine Kuh über 30 l Milch/Tag erzeugen. Über die Milch wird neben Energie eine beachtliche Palette von lebenswichtigen Mineralstoffen und Vitaminen geliefert.

In dem Schwerpunkt „Arten, Sorten und Mischungen“ wurden die wesentlichen Kriterien zur  Sortenauswahl und Mischungszusammenstellung erläutert. In einem riesigen Binnenmarkt mit einem sehr großen Angebot an Sorten und Mischungen ist es enorm wichtig, gezielte Anforderungen an die Vergabe der offiziellen Qualitätslabels zu stellen (Luxemburg: Oranges- Deutschland: Rotes Etikett). In Abhängigkeit von der Nutzung und den Standortbedingungen spielt  die Artenwahl und das jeweilige Konkurrenzverhalten eine große Rolle.

Unter dem Schwerpunkt Grünlandpflege lagen die Schwerpunkte auf der Erkennung von Ursachen für Grünlandschäden sowie den Bereichen Striegeln, Nachsaat mit entsprechenden Saattechniken sowie dem Walzen. Besonders der zunehmenden Bedeutung der Striegeltechnik mit ihren vielen Vorteilen wurde Rechnung getragen. Auch die Problematik Feld- und Wühlmaus, die in den vergangenen Jahren große Schäden im Grünland verursachten, wurde in Biologie und Schadbild erläutert.

Ausgehend von den gesetzlichen Regelungen (z.B. Ausbringverbote, max. N-Mengen) in den beteiligten Ländern wurde das Thema Gülle als enorm wertvoller Wirtschaftsdünger abgehandelt. Schwerpunkte dabei waren die Technik für möglichst verlustarme (Nährstoff Stickstoff) und damit umweltfreundliche und wirtschaftlich sinnvolle Ausbringung. Eine Milchkuh scheidet über ihre Exkremente etwa 70% des über Futter aufgenommenen Stickstoffes wieder aus. Dementsprechend stehen bei den heutigen Betriebsgrößen große Mengen Ammoniak-Stickstoff zur Verfügung. Auch die Gülleseparation (Trennung in feste und flüssige Phase) wurde angesprochen.

SONY DSCDie Bedeutung der verschieden Formen der extensiven  Grünlandwirtschaft wurde  im Zusammenhang mit den bestehenden Agrarumweltprogrammen in den drei Ländern vorgestellt. Ziel dieser Maßnahmen sind der Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität), die Verbesserung der Bodenstruktur und die Verringerung der Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinträge. Hecken, Obst- und Blumenwiesen, Tümpel, Kalkmagerrasen u.a. bieten im Gegensatz zum intensiv genutzten Grünland einen Lebensraum eine vielfältige Fauna und Flora.

Ergebnisse aus der Schweiz konnten anhand eines Systemvergleich Milchproduktion diskutiert werden. In diesem Projekt wurde unter der Prämisse Kostensenkung und Effizienzsteigerung in der Milchproduktion auf dem gleichen Betrieb eine Stallfütterungs- und Weidestrategie gegenüber gestellt. Während sich die Intensive Fütterung der Stallherde positiv auf die Milchleistung und die Fett/Eiweißgehalte auswirkte, hatte die Weideherde Vorteile in der Fruchtbarkeit und der Ökobilanz. Eine Kernaussage war, dass Betriebe, die nicht vergrößern können, mit einer Weidestrategie das Kostensenkungspotential schneller und mit weniger Risiko umsetzen können.

 

 

 

 

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